Donnerstag, 10. November 2016

[Film] Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit) (2014) - ⭐️⭐️⭐️⭐️

© 2014 - Fox Searchlight. All rights reserved.


Endlich habe auch ich es geschafft, „Birdman“ nachzuholen. Nachdem dieser Film von der Kritik hochgelobt, wenn nicht sogar gefeiert wurde, waren meine Erwartungen auch dementsprechend hoch. Der Film räumte bei der Oscar-Preisverleihung 2015 ganze 4 Oscars ab (inklusive „Bester Film“), aber auch abseits davon gab es zahlreiche Nominierungen und Preise für „Birdman“.

Der Inhalt:

Riggan Thomson ist Schauspieler, hat jedoch seine glänzenden Zeiten, in denen er den Superhelden „Birdman“ in diversen Kinofilmen darstellte, schon lange hinter sich. Er hat nur noch ein Ziel vor Augen: Unglaubliches zu schaffen und für immer unvergesslich zu sein. Dabei vernachlässigt er Familie und Freunde und geht notfalls auch über Leichen, um dieses Ziel zu erreichen. „Birdman“ beschäftigt sich vor allem mit dem Menschen Riggan Thomson als Resultat seiner bisherigen Erfolge wie Misserfolge und wie diese ebenso seine Wahrnehmung von sich selbst und seiner Umwelt beeinflussen.

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Meine Rezension:

Regisseur Alejandro González Iñárritu spielt bei „Birdman“ ganz bewusst mit den stereotypischen Vorstellungen und Erwartungen, die ein Publikum an einen solchen Film hat. So lässt er den Betrachter lange im Dunkeln, was es mit den übernatürlichen Fähigkeiten von Riggan Thomson auf sich hat, bevor er einem aufzeigt, dass nicht alles, was wir in seinem Film sehen, auch der Wirklichkeit im Film entspricht. Ein anderes Beispiel wäre ein Bild, was ganz zu Beginn für vielleicht eine Sekunde aufblitzte, aber weder erklärt noch anderweitig ausgearbeitet wird. Erst ganz zum Schluss wird aufgelöst, was es damit auf sich hat. Das sind natürlich nur spezielle Beispiele, von denen sich noch viele weitere in „Birdman“ finden lassen. Worauf ich aber hinaus möchte, ist dass Iñárritu auf sehr viele Details geachtet hat und die Art und Weise, wie der Film inszeniert wurde, keineswegs zufällig ist. Ich persönlich bin auch ein Fan solcher Inszenierungen (zumindest wenn sie dabei nicht an Glaubwürdigkeit verlieren),  da ich überzeugt bin, dass man damit dem Perfektionismus im Film am nächsten kommen kann. So setzt der Regisseur auch ganz bewusst auf gestalterische Aspekte wie einen einzigen Schauplatz oder eine Zusammensetzung des Films, die auf den ersten Blick keine offensichtlichen Schnitte zeigt. Die Kameraführung macht es dem Zuschauer möglich, eine große Empathie für die Charaktere zu entwickeln und erleichtert es ihm, dem Protagonisten durch den Film zu folgen.

Ich möchte an dieser Stelle nicht verschweigen, dass die Story an sich mich schon etwas verwirrt hat, da die Geschichte keinen typischen Handlungssträngen folgt und man teilweise, wie schon erwähnt, auch im Dunkeln gelassen wird. Dazu kommt, dass durch die Reduzierung auf quasi nur einen Ort des Geschehens der Film insgesamt etwas konstruiert wirkt. So ist beispielsweise unwahrscheinlich, dass sich das ganze Leben eines Menschen an nur einem Ort abspielt, an dem er lebt und arbeitet, an dem er auf Freunde und Feinde genauso wie auf die Familie trifft. Womöglich könnte man dies aber auch so interpretieren, dass das Leben des Schauspielers im Film selbst eine einzige große Bühne darstellen soll.

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Meine Bewertung:

Eins ist für mich jedenfalls klar: auch wenn einige Aspekte von „Birdman“ für mich nicht hundertprozentig nachvollziehbar waren, so gefiel mir der Film im Großen und Ganzen doch sehr gut. Außerdem orientiert sich „Birdman“ nicht (nur) an Bestehendem, sondert probiert auch Neues aus und das macht den Film einzigartig und außergewöhnlich.

(4 von 5 Sternen)

Interessantes:

> Trailer
> Wikipedia
> im Stream: aktuell nicht in einer Flatrate (Stand: November 2016)
> bei Letterboxd

Kommentare:

  1. Ich mochte den Film überhaupt nicht. Er ist eine technische Meisterleistung und voller großartiger Schauspielerleistungen, aber was als unterhaltsame Geschichte über einen Mann anfängt, der es allen beweisen will und dabei mit lauter kleinen und großen Problemem kämpfen muss, wird schnell zu einem Langweiler über Snobs und ihre Egoprobleme.

    Der Film versucht satirisch zu sein, kommt aber nicht über naserümpfendes "Popcornfilme sind minderwertig, Theater ist Kunst und Kritiker sind böse" hinaus, was nur arrogant und alles Andere als Tiefgründig ist. Leider hört man die ganze Zeit über, wie Innaritu sich im Hintergrund aufgrund seines vermeinstlichen Genies selbst auf die Schulter klopft. (Und ja, wenn man sich mal Interviews von dem Mann durchliest, merkt man schnell, was für ein Bündel an Arroganz der Mann ist.)

    Wie gesagt, toll gemacht, aber im Endeffekt so leer, wie das ach so böse Mainstreamkino, dass hier vergeblich versucht wird, zu persiflieren.

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    1. Danke für deine Meinung, ich denke schon, dass du da einen Punkt angesprochen hast, der mich auch in geringem Maße gestört hat, den ich aber so einfach nicht in Worte fassen konnte. Dennoch hat mir persönlich der Film im Großen und Ganzen recht gut gefallen, daher ja auch die 4 Sterne.

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  2. Toller Film! Aber Iñárritus alte Filme gefallen mir wesentlich besser. Seine neuen sind mir zu glatt, wenn auch trotzdem gut.

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    1. Hmmm, interessant. Dann werde ich da vielleicht in Zukunft auch mal reinschauen, Birdman war jetzt der erste von ihm, den ich gesehen habe. Hast du da einen besonderen Tipp? :)

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